Rot trifft... Dagmar Calais und Chris Steinbrecher -„Zachor: Erinnere Dich!“

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00:00:04: Rot trifft der Audio und Videopodcast deiner SPD-Fraktion aus der Hansestadt Lübeck.

00:00:11: Aktuelle Themen und interessante Reportagen zu den wichtigen Dingen

00:00:14: in Deiner Stadt, Background-Infos

00:00:17: von spannenden Menschen die was zu sagen haben und die etwas bewirken wollen.

00:00:22: Rot trifst für Dich

00:00:23: aus Deiner Stad.

00:00:28: Ja heute sind wir mit rot trifft in St. Marien und Wir haben Gäste hier.

00:00:33: vielleicht sagt ihr kurz Dagmar Calais Chris Steinbrecher, wer ihr seid und was wir hier sehen ist ein besonderes Thema zur Erinnerungskultur.

00:00:43: Wir sind hier eingeladen worden um hier ein Projekt zu realisieren das sehr speziell ist.

00:00:49: man vermutet es nicht unbedingt in einer Kirche denn hier geht es um die Deportation von jüdischen Menschen aus Lübeck nach Riga und den der Mordung dort vor Ort und das ist natürlich ein besonderes und schweres Thema.

00:01:05: Aber wir finden es gerade in der heutigen Zeit sehr wichtig, solches Thema zu machen.

00:01:09: Wir beide sind in der Kunst unterwegs – Dagmar Kalle ist eh Malerin und ich bin Kunsthistoriker.

00:01:15: Und wir konzipieren seit Jahren solche Projekte die genau dies zum Thema haben.

00:01:19: Dagmar, du hast ein Bild gemalt?

00:01:22: Genau!

00:01:23: Also was wir hier sehen ist der Beginn der Ausstellung und wir sehen die alte Synagoge von Lübeck So wie sie früher mal ausgesehen hatte, bevor die Nazis an die Macht gekommen sind.

00:01:36: Und ja... Die ist dann später so wie sie da steht fast komplett zerstört worden.

00:01:43: Es ist nur noch der Rumpfteil da und es ist in einer anderen Gestaltung aber in dieser Zeit wo diese Synagoge bespielt wurde.

00:01:55: Es war noch alles in Ordnung, waren die jüdischen Menschen und Mitbürger noch komplett in der Gesellschaft integriert.

00:02:04: Danach als die Nazis an die Macht kamen... Da kam immer mehr die Drangsalierung, es wurde ihnen immer mehr weggenommen.

00:02:12: Die Geschäfte wurden geschlossen und dann durften sie kein Radio mehr haben.

00:02:20: Es wurde ihnen alles weggennommen bis dahin dass sie eben nicht mehr in dieser Stadt leben durften.

00:02:28: Und da gehen wir jetzt mal hin weil Auf der anderen Seite ist das Bild eines Bahnhofs, wo es dann darum geht um die Deportation dieser Mitbürger.

00:02:40: Wir befinden uns hier jetzt auf einer Art Bahnsteig.

00:02:44: Wir sehen ein Bahnhofssituationen, in dem gedrängelt Menschen vor einem Bahnzug stehen und Gepäckstücke rumliegen usw.

00:02:55: Das ist ein Deportationszug.

00:02:57: Am sechsten Dezember, nineteenundvierzig wurden die jüdischen Menschen hier aus Lübeck nach Riga deportiert.

00:03:06: Und auf der anderen Seite des Bahnhofs sehen wir Menschen, die diese Szenerie beobachten.

00:03:13: Das bedeutet eben dass auch die Lüwecker das sicherlich mitbekommen hatten zu der Zeit.

00:03:19: Da mal wussten die Menschen was mit ihnen passieren sollte?

00:03:22: Oder was wurde ihnen gesagt?

00:03:23: Es wurde ihm gesagt naja es ist ja irgendwo Das perfil.

00:03:29: Es wird ja gelogen, es wurde nicht genau die Wahrheit gesagt.

00:03:32: man hatte ihnen gesagt sie werden umgesiedelt in Ostgebiete für Arbeitseinsätze und hatte ihn sozusagen auch suggeriert Sie werden noch gebraucht.

00:03:44: Sie sollten so zu sagen ein neues Gebiet und dort etwas aufbauen Und darum sind die Leute auch auf die Bahnsteige gegangen haben sich in die Züge gesetzt

00:03:58: Und auch voller Freude, denn es gibt da Fotomaterialien wo dann die Menschen aus den Fenstern rausschauen.

00:04:05: Aus dem Zugfenster raus schauen und fast froh sind Gott sei Dank aus diesem Reich heraus wo wir nur benachteiligt sind.

00:04:12: Wir haben sie zu was Nutze.

00:04:14: Wir können im Osten noch etwas aufbauen.

00:04:16: Das war die Hoffnung und deswegen haben viele bei den Deportationen auch Werkzeug und alles mögliche mitgenommen um das dann eben in der neuen Heimat sozusagen wiederzuverwenden.

00:04:26: Das ist natürlich eine unglaubliche Suggestion, die man den Leuten da aufdrückt.

00:04:31: Du hast mir mal was erzählt zur Größe der Züge und dann wird die ganze Perfidität noch einmal deutlich bei der damaligen Bahn.

00:04:38: Kannst du das nochmal kurz erzählen?

00:04:39: Das war für mich so beeindruckend!

00:04:41: Als erstes müssen die Menschen, die deportiert wurden, ihre Fahrzeuge bezahlen.

00:04:47: Das ist das Erste.

00:04:50: Die SS hatte mit Reichsbahnen einen Vertrag gemacht dass ab einer bestimmten Anzahl, in diesem Fall waren es Tausend, man einen Sonderrabatt bekam.

00:04:59: Das heißt deswegen wurden alle Deportationszüge mit erbaut, tausend Personen gefüllt.

00:05:06: Also deswegen kann man auch genau sagen wie viele Züge da abliefen per Tausende, so viel Tausenden Menschen waren das dann?

00:05:13: Ja also eine ganz perfide Geschichte und das war nicht mit Nichten am Anfang im Viehwagen.

00:05:18: Nein!

00:05:18: Es waren Wagons der dritten Klasse.

00:05:21: Und in diesem Falle, als der Lübecker Zug gefüllt worden war am sechsten Dezember fuhr man nach Bad Oldesloh und dort wurden die Züge verkoppelt mit Waggons aus Hamburg, aus Lüneburg oder Kiel.

00:05:35: Und der wurde dann zu einem Gesamtzug verkoppelt und machte sich auf den Weg in den Osten, wo eben in Danzig noch mal eine Gruppe von jüdischen Menschen dazu kamen.

00:05:46: Wie viele Lübeckerinnen und Lübiker waren es?

00:05:48: Es waren insgesamt zweiundneunzig Lübekker.

00:05:52: Es haben sechs überlebt.

00:05:53: Ja ich sehe da vorne.

00:05:54: Da würde ich gerne mal hingehen.

00:05:56: Wir sehen hier Steelen.

00:05:58: Genau diese Steelen das sind natürlich nicht alle zweiund neunzig weil Wie Chris eben schon sagte, es haben Menschen auch überlebt.

00:06:08: Die Säulen die hier stehen das sind alles diejenigen, die ermordet worden sind und das waren fünfundfünfundachtzig Menschen, die in Riga umgebracht wurden.

00:06:21: Und ja einige dieser Namen sind bis heute noch.

00:06:26: Ja, wir

00:06:27: stehen ja gerade vor Geschwister Prenzki hier.

00:06:29: Die sind ja die Namensgeber der Geschwester-Prenzkischule in Lüeck.

00:06:32: Das ist ja ganz besonders und ihr wollt den wieder Namen und Respekt zurückgeben.

00:06:37: oder was ist die Idee?

00:06:38: Genau also wir wollen ihnen eine gedenkende Präsenz geben.

00:06:43: Also Menschen, die eigentlich als ausgelöscht gelten sollten... ...die Nazis wollten sie komplett weg haben Aber wir wollen sie wieder zurückholen.

00:06:55: Sie waren einmal Nachbarn von den Lübeckern, haben etwas bewirkt und teilweise genauso wie die Prenzkis sind immer noch in der Erinnerung.

00:07:06: Und wenn man sich genau über die einzelnen Menschen informieren möchte, haben wir auf diese Stählen einen QR-Code geklebt und da kann man mit dem Smartphone abscannen und dann bekommt man die Geschichte dieser Menschen.

00:07:23: Das sind die Geschichten, die die Stolpersteininitiative rausgeforscht haben und die man hier dann nochmal nachvollziehen kann.

00:07:36: Wo haben sie gelebt?

00:07:37: Was haben Sie gemacht?

00:07:41: Welche Geschäfte hatten Sie oder ... Einfach auch nur so.

00:07:44: Wo haben Sie gewohnt?

00:07:45: Das ist auch auffällig im Lübeck, wenn man sich die Stolpersteine auf den Straßen anguckt ganz viel Riegerbezug immer wieder nachdem wir gemeinsam in Riega waren vor vier Jahren ja das erste Mal ich zumindest da ist mir danach erst aufgefallen wie viele Lübäckerinnen und Lüberker betroffen waren und deshalb ist es auch so toll dass die Ausstellung jetzt hier wirklich präsent ist.

00:08:03: Ja also wie man sieht wie man sie hat haben wir auch nur reduzierte Informationen auf den Stehlen.

00:08:09: Wir haben nur den Namen drauf und das Alter weil wir wollen, dass er die sinnliche Seite des Betrachters angesprochen wird und man nicht groß nachdenkt.

00:08:18: Also wenn einer sagt hier am siebzehnten Zwölften, achtundals-sechsohn-siebzig geboren, dann fängt man an zu rechnen.

00:08:25: Und dann ist etwas von der Power, von der Sinnlichkeit weg.

00:08:28: Dann arbeitet der Kopf und hier ist so gedacht, dass man eher da sofort begreift, aha das ist ein Kind!

00:08:43: Das bringt einen dann die Person, um die es geht auch nahe.

00:08:47: Und das fällt ja schon auf?

00:08:49: Dass das immer ähnliche Familiennamen sind... Teilweise direkt Geschwister, Eltern.

00:08:54: Manchmal auch Großeltern dabei und das ist natürlich schon... Das

00:08:57: ist natürlich bewusst so gemacht dass die Familien wieder zusammengestellt worden sind.

00:09:00: Es ist also nicht auseinander dividiert sondern es stehen ganz bewusst eben auf die Familienangehörigen zusammen.

00:09:08: Ja, und man hat dann natürlich auch wenn man jetzt hier bei den Stählen steht.

00:09:11: Und dann rüber schaut zu dem Bahnhof mit den davorliegenden Koffern und den Vernuckerleuchter.

00:09:18: Er steht im Übrigen dafür da dass zu der Zeit gerade auch das Lichterfest war.

00:09:24: Was die Familien eigentlich feiern wollten, dann kriegt man so eine Nähe auch zu den Stälen.

00:09:34: Okay, also wir sind direkt im Geschehen und genau das wollen wir auch damit erzeugen.

00:09:39: Und wenn man da aufs Bild schaut sieht man ähnliche Leuchter wie hier zwischen den Stehlen?

00:09:44: Ja,

00:09:45: wir arbeiten seit Jahren mit einer Werkstatt für beendete Menschen zusammen.

00:09:49: die macht uns die Hardwaret, also sämtliche Metallarbeiten großartig.

00:09:55: zusammenarbeit weil sie auch die leitung dieser behinderten städte natürlich weiß was um welche gruppierung er sich da handelt und welche menschen es sich handelt, die im dritten reich eben genauso opfer gewesen wären wie die Menschen die wir jetzt hier sehen.

00:10:11: Wir waren vor gar nicht allzu langer zeit gemeinsam in rumbula.

00:10:15: ja

00:10:16: und rumbular ist ja auf der anderen seite der ausstellung.

00:10:19: und sollen wir da mal langsam hingehen?

00:10:21: Ja genau Also das gehört ja auch zusammen.

00:10:24: Wenn wir uns vorstellen, die Menschen hier sind in die Züge eingestiegen und waren im Kopf... Es geht in den Osten.

00:10:33: Sie wussten nicht genau wo sie hinkommen aber sie wussten dass es irgendwo etwas gibt irgendwo wo sie etwas aufbauen sollen.

00:10:45: Und da kommen wir genau an den Kipppunkt, denn als sich die Nazis überlegten dass auch die deutschen Juden weg sollten.

00:10:55: Dass sie deportiert werden sollten stellte sich die Frage wohin?

00:10:59: Als erstes Ziel hatte man sich Lodz in Polen das Ghetto ausgedacht aber das G ghetto war schon überfüllt.

00:11:05: und dann kam als nächstes eben zu Minsk der Hauptstadt von Weißrussland um dort die Menschen hinzubringen.

00:11:13: Da war aber die militärische Situation und Versorgungslage der Wehrmacht nicht so großartig, dass man das aufgegeben hatte.

00:11:20: Und dann folgte eben die Idee, dass das Ghetto von Riga zu sogenannten Reichstuhl-Judenghetto machen wollte.

00:11:28: In diesem Ghetto lebten zu dieser Zeit das waren heruntergekommenes Ortsteil von Grieger.

00:11:34: Dreißigtausend inhaftierte, dreißig tausend Juden in dem Ghetto.

00:11:40: Und jetzt machte man sich natürlich Gedanken darüber, was macht man mit den deutschen Juden wenn das Ghetto überfüllt ist?

00:11:47: Wenn es gefüllt ist.

00:11:49: Ja und da ging es also.

00:11:51: dann kam die Entscheidung ja also die lettischen Juden müssen weg.

00:11:56: Die müssen so schnell wie möglich weg weil das Problem war die Transporter rollten schon aber das Gatto war immer noch voll.

00:12:04: Da hat man sich entschieden Ein SS-Offizier, der in der Ukraine schon eine Methode entwickelt hat wie man ganz schnell systematisch.

00:12:22: Menschen ermorden kann.

00:12:23: Das

00:12:23: hatte doch auch so ein merkwürdigen Namen, ne?

00:12:25: Finanzen oder was

00:12:26: für die Jäckeln!

00:12:27: Nein ich meine nicht den Jäkeln als Namen sondern wieder seine Methode wie er da... das war

00:12:31: die

00:12:32: Sardinenbüchse.

00:12:33: Sardinbüchsse nannte das.

00:12:34: Also

00:12:34: das ist ganz total krank.

00:12:37: Das System war dass sich die Leute erschossen wurden in den Gruben und die neuen Opfer mussten sich auf die Erschossene drauflegen und wurden.

00:12:49: dann traf sie eben der Fankschuss, also der Todesschuss.

00:12:54: Und diese Art des Stapelns, effektives Stapeln das war eben die Idee dieses Friedrich Jäcklens, des SS-Führers um dann halt effektiv auch wenn da drunter noch jemand lebte könnte man ihn mit den neuren Schüssen auch noch den letzten Rest geben.

00:13:14: Die waren alle entkleidet, mussten sich komplett entleiden?

00:13:17: Genau.

00:13:18: Und

00:13:18: es gibt ja eine Geschichte von einem damals... Das kommt ja

00:13:22: noch was dazu?

00:13:22: Ich überlebte

00:13:23: Rummula, da möchte ich ganz kurz mal nachfragen, weil da hat sich ja, ich weiß gar nicht, junge Frau zu dem Zeitpunkt nämlich an oder wie alt war sie damals ungefähr?

00:13:32: Siebzehn.

00:13:33: Hat sich unter so ein Wäscheberg versteckt und diese Geschichte wird in einem Buch Ich Überlebte Rummule auch dargestellt.

00:13:41: sehr, sehr lesenswert.

00:13:42: Sollte sich jeder mal an gucken und an durchlesen der Interesse an dieser Geschichte hat weil das ist so eindrücklich geht es unter die Haut sowieso viele Dinge die so richtig berühren, die nahe gehen.

00:13:54: Ja ja Und wie gesagt diese Perfidität die sich dahinter verbirgt dass man sagt eben wir wollen das Sketto lehren Die Menschen müssen ermordet werden damit die Reichsjuden in Anführungsstrichen nach Riga kommen um auch letztlich ermordete zu werden.

00:14:12: Also wenn man das nicht vor den Augen der Reichsdeutschen machen wollte, mussten sie weit weg.

00:14:17: Also in den

00:14:18: Osten.

00:14:20: und das war die Idee.

00:14:21: Genau

00:14:21: was ich eben noch mal sagen wollte zu diesem Friedrich Jäckeln Der hatte in Riga das auch so konzipiert mit dem Groben.

00:14:29: Er hat einen Baustartiker angeheuert, der genau berechnet hat, wie die Gruppen aussehen müssen damit die Menschen auch entsprechend irgendwo in die Gruppe reinfallen und sie entsprechend so fallen dass die Stapelung seiner sogenannten Sardinenwürsche auch entsprechend effizient sich gestaltet.

00:14:56: Und sein Enkel hat übrigens ein Buch darüber geschrieben über seinen Großvater, der Techniker des Grauens war sozusagen.

00:15:05: Also das perfide ist also da zeigt sich erst mal wie systematisch geplant und alles genau durchstrukturiert die Nazis damals vorgegangen

00:15:16: sind.

00:15:17: Wie viele Menschen waren es in den wenigen Tagen im Winter?

00:15:20: Es waren zwei Tage Und insgesamt waren es über twenty-fünfundzwanzigtausend fünfhundert Menschen.

00:15:27: Zwei Tage?

00:15:30: Wahrscheinlich mehr, also weil man kann das nicht mehr genau nachvollziehen, weil es gab nach diesen Aktionen als die Rote Armee näher rückte eine Aktion.

00:15:43: Ein Tausend Fünf wo enterdet wurde diese Gruben geöffnet wurden und ja alle Leichen komplett vernichtet.

00:15:53: Also sie wurden verbrannt, sie wurden in Knochenmühlen zerschreddert und es ist nichts mehr zu finden.

00:16:01: Es ist nichts von ihnen zu finden außer vielleicht mal ein kleiner Knochensplitter.

00:16:07: Das ist das Schlimme.

00:16:08: Und weil dies alles Menschen sind die ja verschwunden sind man findet sie nicht mehr haben wir uns zwei Säulen ausgedacht, die an diese Schrecken erinnern.

00:16:23: Das haben wir da einfach mal zu den Säuren gehen, weil sie haben eine spezielle Bedeutung.

00:16:27: Dann kommen wir auch ein bisschen aus dem Trubel raus der sich gerade um uns hier etwas ausbreitet.

00:16:32: aber das ist auch das Besondere an diesem Ausstellungsort glaube ich dass sehr belebt ist.

00:16:36: und wie denkt überhaupt es als Sandmarin für dieser Ausstellung?

00:16:39: Wie ist das für euch?

00:16:40: Es ist wunderbar!

00:16:42: Dieser Raum der ist so schön.

00:16:45: Also es ist für uns wie geschaffen, auch von der Erzählweise.

00:16:51: Weil wir hier ein leichtes Gefälle haben.

00:16:55: Wenn wir vorne von der Synagoge zu den Verbrechen runtergehen, gehen wir im wahrsten Sinne des Wortes runter.

00:17:04: Es ist unfassbar was das psychologisch mit der Geschichte.

00:17:09: für den Betrachter.

00:17:10: Was auch jetzt gerade auffällt, ganz viele Menschen und selbst um diese Uhrzeit schon heute, wir sind vormittags grade hier ist es schon sehr belebt und die Leute kommen quasi aus Versehen auch in neue Ausstellungen.

00:17:21: aber sie fesselt ja.

00:17:22: das ist etwas was man sieht.

00:17:23: die leute gucken sich schauen sich das an sind beeindruckt von dieser Ausstellung dass doch fasziniertes deshalb der ort ist.

00:17:29: doch wirklich für euch Hätten wir das in einem abgeschlossenen Museum, es wäre doch ganz anders.

00:17:35: Wir haben das auch so konzipiert.

00:17:37: Man sieht es ja hier.

00:17:38: auf uns kommt dieses schmale Nordschiff aus sehr entgegen.

00:17:42: Warum?

00:17:42: Weil wir da sozusagen den Weg nach Rumbola empfinden können.

00:17:48: Deswegen sind auch auf der einen Seite der von Dagmar gemalte Menschenzug und auf der anderen Seite im Szenen aus dem Ghetto leben abgebildet Und man will dieses eingeäckt sein oder dieses Gefühl hier marschieren.

00:18:03: Wir sind jetzt auch Menschen, die dahin marschigen.

00:18:06: Im Hintergrund sieht man den Wald von Rumbola symbolisch, den Dagmar gemalt hat und in diesem Wald das war der Wald der Vernichtung, den wir ja auch besucht hatten.

00:18:16: Vielleicht könnte noch mal ein bisschen was zu diesen Säulen... Da sind ja Löcher an den Säuren.

00:18:20: vielleicht könnt ihr mir auch kurz dazu etwas sagen weil es hat ja auch eine Bedeutung.

00:18:24: Ja, was ich vorhin schon einmal erwähnte Es waren zwei Tage, wir haben hier die beiden Säulen.

00:18:30: Eine Säule steht für den dreißigsten November wo eben die erste Mordaktion stattfand, wo die Menschen aus dem Ghetto rausgetrieben wurden.

00:18:41: Ich habe hier auch zwei Bilder, wo das auch noch mal symbolisiert ist.

00:18:48: und die zweite Mordakktion war der achte Dezember.

00:18:54: Wir überlegen am Sechsten Dezember sind die Lübecker auf den Weg geschickt worden.

00:19:01: Und am achten Dezmber war die Mordaktion noch nicht mal zu Ende, so und an diesen beiden Tagen sind ja über zwanzigtausend fünfhundert Menschen erschossen

00:19:15: worden.

00:19:16: hier in diesen Säulen sind diese kleinen Löcher, die entsprechen dem Kaliber wie die Munition damals war, sieben Komma sechs fünf.

00:19:28: Und es sind an der Zahl nicht genau so viele weil die kriegt man nicht drauf dann wäre das völlig durchlöchert.

00:19:36: aber dieses kalte weiße Licht spricht dafür wie systematisch und kalt und berechnend Die Nazis damals vorgegangen sind.

00:19:50: Dagmar sprach auch gerade davon, dass eben der Transport ja am achten Dezember in Riga ankam.

00:19:56: Da war das Ghetto noch nicht gelehrt.

00:19:58: Wohin jetzt mit den ankommenden Transportzug aus Hamburg?

00:20:03: Der lief ja da über Hamburg letztlich oder an Hamburg vorbei.

00:20:06: Wuhin mit ihnen und dann hat man sich einen heruntergekommenen Gutshof in der Nähe von Riga ausgeguckt.

00:20:13: Er hieß Jungfernhof wo die Leute hin sollten um diesen Hof zu bewirtschaften.

00:20:20: Man muss sich dazu vorstellen, der Zug kam auf eine Verschiebebahnung.

00:20:24: Der hieß Skirotava an und dann wurden sie eben zu Fuß in dieses Guter getrieben.

00:20:32: Entschuldigung, aber Skirotaava war auch eine Geschichte die mich sehr beeindruckt hat mit dem Kind und der Mutter.

00:20:40: Und zwar wurde die Geschichte doch übertragen dass tatsächlich mal die Leute gefragt worden werden mit dem Bus fahren müsse Und dann ein Kind doch zur Mutter sagte, lass uns doch bitte mit dem Bus fahren.

00:20:53: Ja

00:20:54: und die Mutter sagte nein wir fahren nicht mit den Bus.

00:20:57: und dann einen Werter noch daneben stehen sagt es ist gut auf die Mutter zu hören.

00:21:02: Was war das Perfide daran?

00:21:05: Weil der Transport die Aufforderung in der Laster zu benutzen bedeutet die Fahrt in den Tod Weil sie kamen dann allerdings nicht nach Rumbula, sondern die kamen eben nach Bikerniki einen weiteren Tötungsort in der Nähe von Riga.

00:21:20: Das ist natürlich sehr perfide Geschichte und es geht ja noch weiter dass sofort auch auf dem Bahnsteig geschaut wurde wer ist noch arbeitsfähig?

00:21:29: Und wer ist eben behindert krank?

00:21:33: Die wurden in der Tat auf die Lkws geladen und wurden halt dort auch in Bikarniki umgebracht.

00:21:41: Ja, also das perfide Zusammenspiel.

00:21:43: Das ist doch

00:21:43: unvorstellbar so was oder?

00:21:45: Passt doch nicht in unseren Köpfe!

00:21:47: Deshalb finde ich es toll dass ihr das hier ausdrückt und auch so deutlich wird und so erfahrbar wird.

00:21:51: Es wird ja wirklich lebendig.

00:21:53: Ich möchte ein bisschen noch auf die Gegenwart kommen Und zwar...das ist ja nicht nur Erinnerungskultur Sondern sagt uns etwas über unsere heutige Verantwortung.

00:22:04: Auf jeden Fall Weil Naja Wir spüren irgendwie in unserer Gesellschaft auch eine Veränderung.

00:22:13: Die wird deutlich dadurch, dass manche Menschen eben anders angeguckt werden als andere.

00:22:21: Also es findet wieder so ne Wertungsstadt und man glaubt einiges sagen das andere Menschen wieder daran Schuld sind, dass bestimmte Dinge in unserer gesellschaft schief laufen also eine Schulzuweisung und das mit Nachdruck erzählt wird.

00:22:41: Und das ist natürlich ein Narrativ, das kennen

00:22:44: wir.

00:22:45: Ja vor allem weil jetzt auch rechte Populisten wieder da den Durchbruch erzählen – das ist ja ganz dramatisch!

00:22:52: Du weißt erinnert fatal an die Weimarer Republik in der Weimarere Republik wo ihr ähnliche Tendenzen auftaucht.

00:22:58: Und deswegen ist es extrem wichtig, Farbe zu bekennen und auch ständig solche Projekte zu machen die Leute ergreifen.

00:23:05: Also nicht nur eben per Kopf sondern hier auch per Gefühl umzubegreifen wohin das führt wenn man da diesen Populismus und diese extremen Ausschläge nach rechts da folgt.

00:23:17: also für mich zeigt dieser Ausstellung auch die Verantwortung für uns heute ganz deutlich und macht darauf aufmerksam ihr habt vorhin den Gästebuch ausliegen ja und da wollen wir doch noch einen kurzen Blick zum Schluss mit reinwerfen, weil das finde ich sehr besonders was da auch notiert ist.

00:23:32: Ja ein ganz ganz wichtiger Aspekt noch was die Nazis natürlich extrem toll gemacht haben sie haben Propaganda gemacht und wir hatten vorne auch schon darüber gesprochen dass gelogen wurde und erzählt wurde was einfach nicht wahr ist Und das ist so, so wichtig.

00:23:54: Dass wir genau hingucken auch gerade im sozialen Medien immer wieder hinterfragen müssen von wem kommt das?

00:24:01: Wem nützt es und warum wird genau jetzt diese Dinge erzählt?

00:24:07: weil das wird häufig nicht mehr gemacht dass man die dinge hinter fragt was einem da erzählt wird.

00:24:14: Ist das denn wirklich so dass bestimmte menschen daran schuld sind dass sich hier so etwas schlecht entwickelt oder warum etwas ist.

00:24:22: Und ich glaube, das ist ein ganz entscheidender Punkt, den wir auch...

00:24:25: Wir müssen gemeinsam was für unsere Demokratie tun!

00:24:28: Das wird sehr, sehr deutlich!

00:24:29: Ich muss noch mal einen Punkt einschieben, was diese Perversion und die hat was mit heute zu tun.

00:24:36: Die jüdischen Menschen, die die deutsche Staatsbürgerschaft hatten damals, die mussten eine Erklärung unterschreiben, dass sie ihre Staatsbürgerschaft aufgeben – Sie verlieren.

00:24:45: Das hat sich dann startenlos.

00:24:47: Und diese Staatenlosigkeit, das ist ja auch heute so ein Punkt.

00:24:49: Also Menschen die zu uns kommen, auch als Füchtlinge haben einen besonderen Status,

00:24:54: d.h.,

00:24:54: sie sind auch erst mal outgecastet und das ist eben diese Perversion.

00:24:58: Deswegen hat er es auch etwas damit zu tun und diese Unterschreibung der Erklärungen.

00:25:03: erst in dem Moment wo sich staatenlos war konnte man ihnen machen was man wollte.

00:25:07: Was ich ganz toll an der Ausstellung finde, ihr macht ja auch Führungen für Schulklassen.

00:25:10: Man sieht jetzt auch ohne Führung sind ganz viele Schülerinnen und Schüler hier.

00:25:13: Ganz toll!

00:25:14: Ich würde aber trotzdem einmal noch mal kurz zu dem Gästebuch gehen, dass wir uns das einmal anschauen können was da tatsächlich auch noch geschrieben steht weil das kriegt einen totalen Bezug zu heute.

00:25:24: also ich habe das eben gelesen Jetzt kriege ich Gänsehaut, jetzt wird auch gerade darin gelesen.

00:25:29: Vielleicht dürfen wir trotzdem mal kurz gucken?

00:25:31: Ihr müsstet die Seite kurz aufschlagen.

00:25:33: War das ganz vorne oder hinten

00:25:34: schmerzhaft?

00:25:35: Das war erst gestern.

00:25:37: Da ist eine Mitteilung und zwar schreibt da jemand über seine Großmutter, die auch ermordet wurde ...

00:25:47: Und seinem Onkel.

00:25:48: Genau!

00:25:49: Die wurden am Mordett in Rumula im Wald.

00:25:53: Genau.

00:25:55: Es ist ein Mensch, der aus Israel diese Ausstellung besucht hat und seine Großmutter in Liparya.

00:26:06: Das ist ein weiterer Massakerort in Lettland und ein Onkel in Rumbola verloren hat.

00:26:15: Und als wir das gelesen hatten, hatten wir wirklich Gänsehaut.

00:26:18: Leider hatten wir diesen Menschen verpasst weil wir gerade in dem Moment nicht da waren.

00:26:24: aber er hat eine Botschaft hinterlassen und das heißt es gibt immer noch Menschen die ganz schwer daran zu knapsen haben was damals passiert ist.

00:26:36: Es ist generationsübergreifend und wir tragen Verantwortung dafür dass will da ins Gespräch kommen und daran arbeiten, dass so etwas nicht wieder passiert.

00:26:47: Hier steht ja auch das letzte Satz und ich würde mich jetzt als letzten Satz für unser Gespräch nehmen.

00:26:51: Erst mal recht herzlichen Dank, dass ihr euch die Zeit für Rot trifft solange genommen habt!

00:26:55: Und hier steht noch einmal nie wieder ist jetzt oder wie kann man es... prägnanter zusammenfassen.

00:26:59: Und wir haben eine gemeinsame Verantwortung und es ist toll, dass wir das gemeinsam jetzt auch mal fornieren können.

00:27:04: Die Ausstellung läuft noch bis zum fünften Oktober?

00:27:08: Also es ist noch Zeit zu kommen, es lohnt sich auf alle Fälle und auch dieses weiterzutragen und die Verantwortung zu übernehmen.

00:27:15: Recht herzlichen Dank euch beiden für dieses tolle Gespräch!

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